Impulse

Auszug aus der Feierstunde „Gesichter des Friedens“

Beinah tägliche Schreckensmeldungen über terroristische Gräueltaten lassen das in allen Religionen verankerte Gebot zu einem friedlichen und gewaltfreien Zusammenleben derzeit leider oft in den Hintergrund treten. Denn das Friedenspotential, das in allen Religionen steckt, ist kaum Teil der Berichterstattung in den Medien.

Darum haben wir uns gefragt: Wie inspiriert die jeweilige Religion jeden von uns, im Hinblick auf unser Zusammenleben? Wie gelingt es uns, die friedensstiftende Kraft zu spüren, die allen Religionen innewohnt?

 

Bei einem Spaziergang in die Vergangenheit wollen wir verschiedene Aussagen der Religionen näher betrachten.

 

 

Im wörtlichen Sinn lässt das Beispiel dieser Blumen auch unser Auge an der Betrachtung teilhaben.

 

 

Gehen wir also im „im Rückwärtsgang“ durch die Geschichte Schritt für Schritt in die Vergangenheit zurück.

 

Wir beginnen mit der jüngsten, der Baha´i-Religion:

 

"Betrachtet die Blumen eines Gartens. Obwohl sie nach Art, Farbe, Form und Gestalt verschieden sind, werden sie doch vom Wasser einer Quelle erfrischt, vom selben Windhauch belebt und von den Strahlen einer Sonne gestärkt, und so erhöht die Verschiedenheit ihren Reiz und steigert ihre Schönheit. Wie unerfreulich wäre es für das Auge, wenn alle Blumen und Pflanzen, Blätter und Blüten, Früchte, Zweige und Bäume jenes Gartens die gleiche Form und Farbe hätten! Verschiedenheit in Farbe, Form und Gestalt bereichert und verschönert den Garten und erhöht dessen Ausdruck. Werden verschiedene Schattierungen von Gedanken, Temperamenten und Charakteren unter der Macht und dem Einfluss einer zentralen Kraftquelle zusammengeführt, so werden in gleicher Weise die Schönheit und der Glanz menschlicher Vollkommenheit offenbar und sichtbar werden. Nichts als die himmlische Macht des Wortes Gottes, die die Wirklichkeit aller Dinge beherrscht und übersteigt, ist fähig, die auseinander gehenden Gedanken, Gefühle, Ideen und Überzeugungen der Menschenkinder in Einklang zu bringen."

 Die ersten Blumen, die unseren Strauß bereichern, erinnern an diese Stelle aus den Baha'i Schriften.

 

Wenn wir weiter in der Geschichte zurückgehen, begegnet uns vor rund 1400 Jahren der Islam:

 Im Koran heißt es:

 

„Wahrlich, Gott liebt die Gerechten. Die Gläubigen sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern. Und fürchtet Gott, auf dass euch Barmherzigkeit erwiesen werde.“ (Sura 49:9,10)

 

Aber wie geht das Frieden stiften? Der Koran erläutert:

 

„Die, (die) ihr Vermögen auf Gottes Weg ausgeben, gleichen einem Korn, das in sieben Ähren schießt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Gott gibt doppelt, wem Er will, und Gott ist umfassend und wissend. Die, (die) ihr Vermögen auf Gottes Weg ausgeben, und, nachdem sie gespendet haben, ihr Verdienst nicht herausstellen und keine Gefühle verletzen, die finden ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht wird über sie kommen, und sie werden nicht traurig sein. Freundliche Worte und Verzeihung sind besser als ein Almosen, dem Verletzendes folgt. Und Gott ist reich und milde. O ihr, die ihr glaubt! Entwertet eure Almosen nicht durch Vorhaltungen und Verletzen von Gefühlen, wie derjenige, der Geld spendet, um von den Leuten gesehen zu werden, und nicht an Gott und den Jüngsten Tag glaubt.“ (Sura 2:261-264)

 

Sozialer Friede - als Grundlage für ein insgesamt gelingendes Miteinander in jeder Gemeinschaft.

Dafür stehen die nächsten Blüten

 

Vor 2000 Jahren beginnt die Geschichte des Christentums:

 

Eine Rose – sie ist die Blume der Liebe. Über sie schreibt das NT (1. Kor. 13,1-7)

 

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte die Liebe nicht,

so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse

und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte,

und hätte die Liebe nicht, dann bin ich nichts.

Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen,

und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

 

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht,

die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre,

sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit,

(Die Liebe) sie erträgt alles, (Die Liebe) sie glaubt alles,

(Die Liebe) sie hofft alles, (Die Liebe) sie duldet alles.

 

Herr, gib mir Mut zu ändern, was ich ändern kann.

Schenke mir die Kraft, anzunehmen, was ich nicht ändern kann

und verleihe mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen.
(altes Pilgergebet)

 

 Für die lebenspendende und lebenserhaltende Kraft der Liebe stehen die beiden Rosen.

 

Die Geburtsstunde des Buddhismus liegt schon zweieinhalb Jahrtausende zurück:

 

Unter der Überschrift „Das Lachen der Blüten“ sagt der Dalai Lama:

„Den Weltfrieden können wir nur durch die innere Wandlung

der einzelnen Menschen herbeiführen.

Friede muss zuerst in jedem einzelnen Leben entwickelt werden.

Ich glaube, dass Liebe, Mitleid und Selbstlosigkeit grundlegend für den Frieden sind. Sie schaffen eine Atmosphäre der Harmonie.“

 

Und aus der Schrift „Lebensweisheit des Buddha“ hören wir:

In den Upanischaden bezeichnet santih das innere Zur-Ruhe-Kommen, Stille des Geistes und Gleichmut. Es gehört zusammen mit ashima = Wesensschonung.

 

Der Buddha macht diese Tradition zu einem Angelpunkt in seiner Lehre: Die erste der 5 Sittenregeln ist Wesensschonung, das beinhaltet „entsagende, hasslose und friedfertige Gesinnung.

 

„Damit wir in Frieden leben können, müssen wir viele unserer angelernten Einstellungen verändern. Wir müssen alte Vorurteile und unsere übergroßen Besitzansprüche zurücknehmen. Mit Augenmaß leben. Wer Güter und Besitztümer von anderen anstrebt, provoziert Konflikte.

 

Die Weisheit des Buddha kann uns helfen, dass wir einer friedvollen Einstellung zu den Mitmenschen näherkommen. Wir können lernen, unsere Konflikte gewaltfrei zu lösen, aber dazu müssen wir die Bedürfnisse unserer Mitmenschen ernst nehmen.“

Dafür stehen meine Blüten

 

Auf eine mehr als 3000jährige Tradition blickt das Judentum zurück. Trotz vieler existentiell schwieriger Zeiten bewahrt es eine große Friedenssehnsucht und schützt sie mit dem Namen Gottes:

 

Der Prophet Micha (4, 2b-4) schreibt:

 

Der HERR wird sein Wort ausgehen lassen.

Er weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder.

Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser.

Kein Volk wird mehr das andere angreifen, und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.

Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten.

 

Der HERR, der Herrscher der Welt, hat es gesagt.  Mögen aus Waffen Werkzeuge werden.

 

Vielfalt, die bereichert
Vielfalt, die bereichert

Für diese Hoffnung stecke ich meine Blumen in die Vase.