Keine Zeit wie jede andere

Gedanken zum Fasten - von Maria Kinauer

Vor Kurzem hat der gesegnete Monat Ramadan begonnen, die islamische Fastenzeit. Eine besonders festliche Stimmung, wahrnehmbar im öffentlichen Raum, begleitet uns hierzulande zwar leider nicht. Aber unser inneres Erleben soll ja ohnehin nicht von Äußerlichkeiten abhängig sein. Denn indem wir uns selbst ganz bewusst auf jeden neuen Fastentag einstimmen, verspüren wir auch immer wieder einen ganz besonderen freudig-erwartungsvollen Spannungszustand.

Fasten, im Einklang mit unseren Alltagspflichten, mag uns jetzt im Sommer, wo die Tage lang und oft heiß sind, besonders herausfordern. Neben Hunger und Durst macht uns zuweilen Müdigkeit oder der Kreislauf zu schaffen.

Und dennoch - es geht ja um viel mehr! Nur auf Essen und Trinken zu verzichten – das wäre dann nichts als Hungern.

Nein, mir geht es um das FASTEN. Mich also ganz bewusst in Verzicht üben, und zwar -

ausschließlich - um Gottes willen.

 

Diese Absicht macht den Unterschied, den ich spüren und leben will: Soweit das Arbeitsleben es zulässt, ein wenig zurücktreten von der Hektik des Alltags, und mein Leben aus der Distanz betrachten. Lebensgewohnheiten unterbrechen. Nachdenken über Sinn und Ziel meines Lebens, vor allem darüber, was Gott von mir erwartet. Ganz besonders im Monat Ramadan ist es unsere Verantwortung, uns dieser Frage zu stellen.

In unserer schnelllebigen Zeit werden wir normalerweise ununterbrochen mit Reizen überflutet, sind scheinbar ständig mit allen und allem verbunden. Wir können aber zum Beispiel auch einmal mehr Stille zulassen - um Sein Wort besser hören können. Auch „Augen und Ohren sollen fasten“, wissen wir aus der Überlieferung. Und so könnten wir auch unsere Sinne schärfen: Wo braucht jemand Hilfe, oder, vielleicht einfach ein offenes Ohr? Untrennbar mit dem Fasten verbunden ist auch das Miteinander-Teilen.

Dass Gott uns (heraus-)fordert, indem Er uns das Fasten gebietet, trägt zu unserer persönlichen Weiterentwicklung bei. Das Fasten lehrt uns nicht nur Demut, Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Es lehrt uns Selbstbeherrschung, Abhängigkeiten zu hinterfragen. Es lehrt uns Widerstandskraft, wenn wir ernsthaft versuchen, alles zu meiden, was die Seele erniedrigt: „Wohl ergeht es dem, der (seine Seele) reinigt, unselig aber, wer sie verdirbt.“ Das Lesen im Koran schenkt uns Kraft, und ich spüre immer wieder voll Freude, wie dieses Bewusstsein mich trägt.

Ich wünsche mir, dass dieser Monat für uns der Neubeginn eines erfüllten Lebens sein wird.

Dass wir den inneren Frieden, den wir so erfahren dürfen, auch nach außen tragen.

Dass die Menschen, denen wir begegnen, unsere Freundlichkeit und inneres Strahlen spüren und so an unserem Frieden teilhaben.