Fastenzeit  -  Wege zum Leben

 

Fasten, beten und miteinander teilen

 

In der Bibel und in der kirchlichen Tradition trifft man das Fasten nie als Einzeldisziplin an. Das Fasten begegnet einem stets im Dreigespann: Fasten – Beten – Barmherzigkeit (treffender als „Almosengeben“).

Diese Drei gehören untrennbar zusammen.

Beim Fasten ist die Gesinnung wichtig. Es geht nicht um Leistung oder Anerkennung.

 

Fastenzeit im Christentum:

Vorbereitungszeit auf Ostern hin, „40 heilige Tage vor Ostern“ („40“ ist eine heilige Zahl in der Bibel. Die Sonntage werden nicht mitgezählt, da sie ein „Osterfest im Kleinen“ sind.) Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch.

Es geht in dieser Zeit um die Umkehr, um die „Metanoia“, wie es im Neuen Testament heißt, um ein neues Denken und ein neues Tun, um eine neue Orientierung. Man möchte dem wirklich Wichtigen im Leben auf die Spur kommen.

 

 

 

 

Das Tröstliche ist aber, dass eine Umkehr möglich ist, raus aus der Sackgasse. Es sei erinnert an das Gleichnis vom barmherzigen Vater und vom verlorenen Sohn.

 

 

 

 

In der Fastenzeit steht eine Standortbestimmung an. Was ist wesentlich – was unwesentlich für mein Leben? Es geht um ein bewussteres Leben, ein tieferes Leben. In vielen kleinen Schritten. Entschleunigen ist angesagt.

 

In der Fastenzeit bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, unser Verhältnis zum Mitmenschen, zur Schöpfung, zu Gott und zu uns selber zu überprüfen und manche Korrekturen zu starten.

Auch hier gilt: Weniger ist mehr.

 

Die Fastenzeit

kann mir auch helfen, neu zu entdecken, in welchen Abhängigkeiten und Zwängen ich lebe. Was brauche ich zum Leben? Auf was fällt es mir schwer zu verzichten?

Es handelt sich hier z.B. um Stichworte wie Umgang mit Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Süßigkeiten, Fleisch, Radio, MP3 Player und manches mehr. Es geht nicht darum, sich zu „kasteien“ und zu quälen, sondern um Erfahrungen von neuer Freiheit.

 

Weitere aktuelle Formen von Fasten können sein:

„Fernseh–Fasten“, „Internet-Fasten“, „Handy–Fasten“, um so ganz bewusst mehr Zeit für meine Mitmenschen zu haben. Andere wählen diese Wege: „Auto-Fasten“, „Müll–Fasten“, „Plastik-Fasten“. Sie versuchen sehr bewusst mit Energie- und Rohstoffverbrauch umzugehen. Unter Umständen ist dies ein Anstoß für ein politisches Engagement im weiten Sinn, vielleicht auch für die finanzielle Unterstützung eines Projekts, das über die Fastenzeit hinausgeht.

 

In der evangelischen Kirche gibt es seit Jahren die Aktion „Sieben Wochen ohne“. Viele Menschen lassen sich darauf ein, sei es alleine oder in Gruppen. Sie verzichten nicht nur auf das eine oder andere Genussmittel, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf unter einem jährlich wechselnden Motto.

 

Ein letzter Gesichtspunkt sei noch genannt:

Die Fastenzeit bietet ebenso eine große Chance, indem sie zur Versöhnung ermutigt. Mit wem bin ich unversöhnt? Gibt es da keine Möglichkeiten des Aufeinander-Zugehens? Bin ich zu stolz, den ersten Schritt zu tun?

Bin ich versöhnt mit Gott? Was trennt mich von Ihm?

Bin ich versöhnt mit mir selber? Was treibt mich um?

Gerade die Fastenzeit beinhaltet viele Möglichkeiten, die zahlreichen Formen der Versöhnung neu zu entdecken, die die christlichen Kirchen anbieten.

 

Natürlich gibt es eine breite Palette von „Fastenwegen“ mit ganz unterschiedlichen Zugängen und Hintergründen. Ein paar wenige sind hier aufgezählt. Niemand hat auf diesem Gebiet ein Monopol.