500 Jahre Reformation

 

 

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte

 

Dr. Martin Luther (1483 - 1546)

 

seine 95 Thesen

Denk ich an Luther ...

dann fällt mir zuerst seine Sprache ein. Abschnitte seiner Bibelübersetzung haben sich tief in mir eingegraben. Weihnachten ohne Weihnachtsgeschichte nach Luther geht eigentlich nicht. Dann seine Lieder – welch eine Kraft, welch ein Jubel: „Nun freut euch liebe Christengmein...“

            - Worüber eigentlich? 

Darüber, dass ich mir mein Seelenheil nicht angstvoll erwerkeln muss, dass mir der Himmel geschenkt wurde und wird. Als Luther das aus dem Römerbrief herauslas, schrieb er: „Nun fühle ich mich wie neu geboren. Die ganze Bibel sah mich anders an.“

 

Denk ich an Luther, dann freue mich über dieses existenzverändernde Geschenk und bin dankbar dafür. Es macht mir Hirn und Hände frei, um als Christ leben zu können.

 

Ich bin, wir sind, wie Luther umgeben von den gesellschaftlichen und politischen Realitäten der Zeit mit ihren Ängsten und Ansichten. Luther brachte die erfahrene Befreiung in Konflikt mit allen, die die Ängste der Menschen schürten. Uns heute auch?

 

Denk ich an Luther, dann überkommt mich aber auch blankes Entsetzen über den Schreibtischtäter Luther. Wie kann es sein, dass einer, der die Menschenfreundlichkeit Gottes erlebte und predigte, hasserfüllt zu Mord und Brandschatzung aufrief? So kommt Religion in Verruf – was wir täglich heute erleben. Ich halte nichts von beschönigenden Interpretationsversuchen, aber ich halte viel davon, sein Erbe, die Freiheit von Glaube und Gewissen, gegen seine Blindheit und Rechthaberei zu retten;

 „... weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissen zu tun“ (Luther vor dem Reichstag zu Worms).

 

Für Martin Luther war klar: Der Mensch wird allein durch den Glauben vor Gott gerecht.

 
Für ihn war es der Glaube an Jesus Christus.

 

Für mich stellt sich die Frage: Was bedeutet das für den Dialog mit anderen Religionen?

           Ich denke, dass ich als evangelisch-lutherischer Christ von Jesu Offenheit lernen muss, der mir Gott als Vater nahe bringt, der alle Menschen liebt. Daraus folgt, dass die Transzendenz-Erfahrungen aller Menschen immer bei Gott aufgehoben sind. Das ermutigt, die Glaubensschätze aller zu heben, sich auszutauschen und sich miteinander auf den Weg zu machen in eine friedlichere Welt.

 

Kurt Büttler